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Öko ist grün lügen

Wenn Unternehmen behaupten, ihre Produkte seien sozial nachhaltig und umweltverträglich, ist große Skepsis angesagt. Oft genug sei dies eine dreiste Lüge, die wir als Konsumenten gerne glaubten – warnt Kathrin Hartmann. Beispiele für dieses Greenwashing führt ihr Buch „Die grüne Lüge“ auf. Sie finden den Titel in Ihrer BZL Bibliothek.

Anne-Kathrin Weber schreibt im Deutschlandfunk (online):

Mit seinem typisch verschmitzten Lächeln blickt George Clooney in die Kamera, in der Hand eine Tasse Espresso. Doch der Hollywoodstar trinkt keinen gewöhnlichen Kaffee in einem gewöhnlichen Hollywoodfilm – in fast schon kultverdächtigen Werbespots bewirbt er die Kaffeekapseln der Marke Nespresso. Seit einigen Jahren sind sowohl die Clooney-Werbefilme als auch die Kaffeeprodukte äußerst beliebt – die bunten Aluminiumkapseln mit dazugehörigen Maschinen und Accessoires sind in vielen westlichen Industrieländern fester Bestandteil morgendlicher Kaffeeroutinen geworden. Damit haben die PR-Strategen von Nespresso laut der Publizistin Kathrin Hartmann einen Erfolg auf ganzer Linie produziert – nicht nur, weil Clooney einer der derzeit beliebtesten Filmstars ist, sondern auch so etwas wie das Gewissen der Branche, das immer wieder auf Missstände in der Welt hinweist. Clooney verleihe den umweltbedenklichen Kapseln des Mutterkonzerns Nestlé so ein vertrauenswürdiges Gesicht. Für Hartmann ist dies nur ein Beispiel von äußerst gelungenem Greenwashing – also der öffentlichkeitswirksamen Strategie von Unternehmen, ihre Produkte und Aktivitäten als vermeintlich nachhaltig, sozial engagiert oder umweltfreundlich darzustellen:

„Und so kommt es, dass ein überflüssiges, überteuertes Kaffeesystem, das eine Menge Müll produziert, Ressourcen verschwendet und Kleinbauern ausbeutet, nicht nur als ökologisch unbedenklich gelten kann, sondern sogar als Wohltat für Mensch, Natur und Klima.“

Die Autorin klagt nicht nur Nestlé an, auch viele andere Unternehmen, die sie mit charakteristisch sarkastischer Schreibe als, „Ökogranaten“ bezeichnet, seien Meister des Greenwashings. Darunter der Mineralölkonzern BP, der es nach der Explosion seiner Bohrplattform Deepwater Horizon im Jahr 2010 fast meisterlich geschafft habe, sich von den verheerenden Folgen der Katastrophe für Umwelt und Mensch reinzuwaschen.

Beachten Sie auch die Medien zum Thema „Zero Waste“.

Dystopie – Utopie

Dystopien, Negativ-Utopien oder Anti-Utopien erleben spätestens seit dem Erscheinen der Romantrilogie The Hunger Games der us-amerikanischen Autorin Suzanne Collins eine Hochzeit. Umso erstaunlicher ist es, dass die Kinder- und Jugendliteraturforschung sich bislang hinsichtlich der Untersuchung der Texte zurückhält.

Dystopien der aktuellen Jugendliteratur orientieren sich an klassischen Dystopien von Huxley, Orwell, Bradbury und Atwood, greifen Aspekte aus den Texten auf, verweisen auf diese Texte und ergänzen sie. Doch anders als die Klassiker der dystopischen Literatur schreiben die Autoren/innen für ein jugendliches Publikum und greifen somit auch Aspekte aus der Adoleszenzliteratur, dem Liebes-, Entwicklungs- und Abenteuerroman auf. Ein dystopischer Gesellschaftsentwurf kann dazu dienen, Gesellschaften zu kritisieren, aber er kann auch die adoleszenten Problemfelder der jugendlichen Protagonisten/innen aufgreifen. Tatsächlich bietet die Dystopie als mahnende Literatur viele Ansatzpunkte, die Probleme Heranwachsender zu thematisieren und kann somit nicht nur als eine Warngeschichte verstanden werden , sondern auch als Adoleszenzliteratur. Im Mittelpunkt der Romane stehen Jugendliche, die sich nicht nur gegen das Regime erheben, nach alternativen Gesellschaftsformen streben, sondern auch eine eigene Identität entwickeln, sich gegen ihre Familien stellen und letztendlich im Laufe der Handlung erwachsen werden. Somit erhalten Dystopien als Lektüre unterschiedliche Bedeutungen: Einerseits lassen sie sich trotz aller Kritik als gesellschaftskritische Texte lesen, andererseits ermöglichen solche literarischen Texte „ihren Lesern Erfahrungen, die für seine persönliche Entwicklung und seine Interaktion mit der Gesellschaft von hoher Bedeutung sein können.“

Die BZL-Bibliothek bietet nebst den erwähnten Titeln von Suzanne Collins, Bradbury und Huxley viele weitere Jugendbücher dieser Art: allen voran natürlich J. K. Rowlings „Harry Potter“-Bände, dann sind Neil Shustermans „Vollendet“-Trilogie, Veronica Roths „Die Bestimmung“ in drei Bänden, Ursula Poznanskis Reihe „die Verratenen; Die Verschworenen; die Vernichteten“ verfügbar. Eine soeben fertig erschienene vierteilige Dsytopie ist von T. Cooper und Allison Glock: „Changers“. Der dritte und der vierte Band sind seit 1. Mai zur Ausleihe bereit.

Mathe – nichts für Frauen?

Es ist eine Frage, über der Freundschaften, Ehen und auch Karrieren zerbrechen können: Haben Männer von Natur aus mehr Talent für Mathematik als Frauen? Im Jahr 2005 hatte der damalige Harvard-Präsident Larry Summers behauptetet, die geringere Zahl von Frauen in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Spitzenforschung habe unter anderem mit „biologischer Tauglichkeit“ zu tun.

Woran liegt es, dass sich deutlich weniger junge Frauen im Bereich Mathematik, Naturwissenschaft und Technik engagieren? Gibt es bestimmte Faktoren der Persönlichkeit, die eine Veränderung dieser Situation erleichtern? Wie wirkt sich die Koedukation aus? Und was können Eltern und Lehrpersonen tun, damit sich mehr Mädchen intensiver und erfolgreicher in mathematisch-naturwissenschaftliche, aber auch informatische Ausbildungen geben?

Das verinnerlichte Geschlechterbild könnte einer von vielen Gründen sein, die die Leistung schmälern. Lehrer und Eltern ermuntern Jungen womöglich stärker in Mathe; Mädchen könnten Mathe uncool finden – viele Einflüsse sind möglich. Mehr Antworten und Anregungen sind im Buch „Mathe: Nichts für Mädchen?“ zu finden. Und dass es auch anders geht, zeigt eindrücklich der Film „Hidden figures“ Es ist die bisher noch nicht erzählte, unglaubliche Geschichte von Katherine Johnson, Dorothy Vaughn und Mary Jackson. Der Film ist eine leidenschaftliche Hommage an drei herausragende afroamerikanische Frauen, die zu Beginn der sechziger Jahre bei der NASA arbeiten und an vorderster Front an einem der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte beteiligt sind.
Die brillanten Mathematikerinnen sind Teil jenes Teams, das dem ersten US- Astronauten John Glenn die Erdumrundung ermöglicht. Eine atemberaubende Leistung, die der amerikanischen Nation neues Selbstbewusstsein gibt, den Wettlauf ins All neu definiert und die Welt aufrüttelt. Dabei kämpft das visionäre Trio um die Überwindung der Geschlechter- und Rassengrenzen und ist eine Inspiration für kommende Generationen, an ihren großen Träumen festzuhalten.

Bücher und Populismus

Ulrich Störiko-Blume ist Inhaber der Münchner ProjektAgentur und war zuvor über vier Jahrzehnte Leiter in sieben Verlagen. Sein Kurzvortrag:

«Mit Blick auf aktuelle Verlagsstrategien zeichnet sich ein zunehmender Populismus ab: Als höchstes Ziel des Verlags wird die Befriedigung von Kundenwünschen ausge­geben. Ja, was denn sonst?, wird sich mancher fragen. „Focus on the user and all else will follow“ sagt Google, und sehr viele stimmen zu. Aber: Entsteht so Literatur? Entstehen so Sachbücher, die unter die Oberfläche unserer komplexen Welt schauen? Entstehen so Bücher, die auch morgen noch eine Bedeutung haben?

Im qualitativen Teil der Studie „Buchkäufer – quo vadis?“ werden Äußerungen von Befragten zitiert wie „Bücher sind weder hip noch kommunikativ!“ und „Bücher sind kein Hot Topic, worüber man spricht“. Das klingt wie eine Aufforderung, darauf hinzuarbeiten, dass Bücher diese Eigenschaften wieder zugesprochen bekommen. Ja, man kann hippe (also ­vorübergehend gefragte, weil sie „alle“ haben wollen) und trendige Bücher (so lange der Trend anhält) verlegen. Doch das kann nicht die zentrale Antwort in der gegenwärtigen Situa­tion sein. Und auch wer meint, dieser „Kundenfreundlichkeit“ solle die schlechte alte Hochnäsigkeit der Bildungselite vorgezogen werden, liegt schief.

Es mag Autoren geben, die sich nicht darum scheren, ob ihr Buch verstanden wird, ob es überhaupt verstanden werden kann und ob es den Lesern etwas bringt. Aber es ist eigentlich selbstverständlich, dass Schriftsteller, Dichter, Essayisten, Wissenschaftler und Fachleute Bücher schreiben, weil sie etwas erkannt und in Form gebracht haben, das sie ihrem Publikum mitteilen wollen. Es ist ihnen keineswegs egal, ob irgendjemand und ob bestimmte Menschen sie lesen. Aber sie schreiben doch nicht, um ihrem Publikum zu gefallen. Sie schreiben etwas, für das sie eine gelungene Einheit von Inhalt und Form gefunden haben. Und Verlage verlegen das und Buchhändler verkaufen das, weil sie diese Qualität erkannt haben – und versuchen, ihre Kunden darauf aufmerksam zu machen.

In der Politik ist der Populismus ein altes Phänomen, das derzeit neue gefährliche Formen annimmt. Die Demokratie muss mit demokratischen Mitteln damit fertigwerden. In der Buchbranche gibt es den uralten (und belebenden) Widerspruch von Kunst und Kommerz, der nicht mit dem Über­gewicht einer Seite gelöst werden kann. Mit hochtrabenden moralischen Beschwörungen schon gar nicht.

Manche versuchen es mit kühlem bildungstechnischem Kalkül. Gejammer? Die Schuld anderen zuschieben? Zynisch mit den Schultern zucken? Bücher und Demokratie gehören zusammen, und für beide ist der Populismus eine Herausforderung und nicht die Lösung. „Keine diskursive Erörterung eines Phänomens kann ersetzen, was die Lektüre eines Buchs auslöst“, so hat es S. Fischer-Verleger Jörg Bong jüngst in der „FAZ“ formuliert. Das bedeutet nicht, Bücher allein der Ratio zuzuordnen; die emotionale Dimension von „Büchern als ­Brücke aus der Hektik des Alltags in die Oase des Lesens“, wie Börsenvereinshauptgeschäftsführer Alexander Skipis auf der Tagung der IG Belletristik und Sachbuch sagte, ist ebenso wesentlich.»

Neuanschaffungen in Ihrer BZL Bibliothek:

Yascha Mounk: Der Zerfall der Demokratie; wie der Populismus den Rechtsstaat bedroht

Adrienne Fichter (Hrsg.): Smartphone-Demokratie

Wo Berge sich erheben

Immer wieder gelangen Lernende oder externe Menschen an mich mit der Frage, ob sie ihre alten Bücher in der Bibliothek abgeben können. Und immer wieder antworte ich, dass ich die Bücher zuerst sehen will, bevor ich entscheide.

Ehemalige Lehrpersonen, Maturanden und weitere bibliophile Leute haben zuhause Bücher, die sie nicht mehr brauchen. Da ist der Gedanke nahe, diese einer Bibliothek zur Verfügung zu stellen. Das gibt Platz zuhause – und vielleicht ein bisschen Geld dafür? Der Bibliothekskredit erlaubt es mir nicht, grosse Summen für solche Bestände auszugeben. Aber wenn ein Buch in gutem Zustand ist und dem Profil der BZL Bibliothek entspricht, gebe ich gern etwas dafür. Meistens werden mir die Bücher gratis übergeben. So gerade letzte Woche, als ich bei einem pensionierten Seminarlehrer die Privatbibliothek sichten durfte. Zwei Kisten voller Nützlichkeiten konnte ich mitnehmen! Darunter ist die komplette Sammlung „Spectaculum – Moderne Theaterstücke“, zudem viele Klassiker. Diese dienen als Zweitexemplare als Maturalektüre.

Die BZL Bibliothek ist kein Antiquariat, auch keine Brockenstube für veraltete Medien. Aber unter den vielen Angeboten von Privatpersonen findet sich immer wieder etwas, das in den Bestand aufgenommen werden kann und die Vielfalt vergrössert.

Knigge ist tot – es lebe der Knigge!

Im Zuge der letztjährigen Inventur gerieten mir Bücher in die Hände, die nach gemeingültigen Bibliotheksmassstäben längst weggeworfen gehörten. Aber wie schwer fällt mir das! Besonders bei Schätzen wie dem „Lexicon der Sittsamkeit von A bis Z, welches insbesondere Jungfrauen, Bräute und Ehefrauen aber auch das männliche Geschlecht über Anstand, Anmut und Würde in Haus und Gesellschaft unterrichtet„. Ein langer Titel, ein amüsierendes Buch! Der Autor bibliografiert Werke aus fast zwei Jahrhunderten, zitiert Sittenlehrer von 1791 bis 1970. Es werden uns Regeln über das richtige Benehmen bei Besuchen, das korrekte Grüssen, über Reinlichkeit und Ordnung, Hochzeit und Ehe, Konversation und unzähliges mehr erläutert. Mehr erfahren

Die Welt ohne Menschen?

Was passiert, wenn die Menschen plötzlich von der Erde verschwinden? Der Journalist Alan Weisman sprach darüber mit Biologen, Botanikern, Geologen, Physikern, Archäologen und Architekten. Sein fundiertes Szenario veröffentlichte er erstmals 2006, der dem Buch zugrunde liegende Artikel wurde für die Sammlung «Best American Science Writing» ausgewählt.

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Buch, Bücher, Bibliothek – oder warum dieser Blog entsteht

Das BZL Bildungszentrum Langenthal unterhält eine Bibliothek, die Bibliothek unterhält eine Bibliothekarin, die Bibliothekarin unterhält einen Blog. In diesem finden Sie in mehr oder weniger regelmässigen Abständen Aktuelles zum Zeitgeschehen mit Bezug auf Medien der BZL-Bibliothek. Der erste Beitrag handelt – wie könnte es anders sein – vom LESEN.

Das «Duden Wörterbuch der deutschen Sprache» (nicht google, nicht Wikipedia) schreibt zum Begriff LESEN als erstes: «etwas Geschriebenes mit den Augen und dem Verstand erfassen». Abgesehen davon, dass auch Blinde lesen können, wenn sie mit den Fingerkuppen tastend über die Braille-Erhöhungen fahren, lege ich die grössere Bedeutung gern auf die Worte «und dem Verstand erfassen».

Seit 27 Jahren betreue ich die Bibliothek. Ich musste feststellen, dass das freiwillige Lesen von Büchern drastisch zurückgegangen ist. Es sind Äusserungen von Lernenden, die mich nachdenklich stimmen: «I lise nid, i game lieber». Es mag der Zeitgeist sein, die Fülle von Informationen, die Neuen Medien – wem auch immer man die Schuld an der Leseunlust geben will – es ist ganz einfach schade um den Verstand. Denn Lesen ist mehr als Informationsaufnahme. Es ist sinn- und wertvoll genutzte Zeit, es ist Unterhaltung, es ist Bildung. Und Menander hat gesagt: «Bildung ist ein unentreissbarer Besitz». Mit ihren ausgewiesenen 29’000 Medien besitzt die BZL-Bibliothek einen unschätzbaren Reichtum, der allen Lernenden, Lehrpersonen und Mitarbeitenden kostenlos zur Verfügung steht.

Ich freue mich, wenn Sie meinen Blog weiter verfolgen. WeiterLESEN.